Es gibt Menschen, die fürchten Regenbogenfarben. Nicht wegen der Farben, sondern wegen dessen, wofür sie stehen: Freiheit, Sichtbarkeit und das Recht, ein Leben zu führen, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen.
Nach den schrecklichen Ereignissen in Berlin hört man wieder viele große Worte. Betroffenheit. Bestürzung. Entsetzen. Das gehört inzwischen fast schon zum Ritual. Kaum sind die Kerzen angezündet, beginnt anderswo bereits die Suche nach Erklärungen, Relativierungen oder Schuldverschiebungen. Als müsse Hass erst verstanden werden, bevor man ihn verurteilen darf.
Dabei ist die Sache erschreckend einfach. Wer Menschen bedroht oder angreift, weil sie lieben, wen sie lieben, stellt sich nicht gegen eine Minderheit. Er stellt sich gegen die Freiheit selbst.
Extremismus erkennt man nicht erst an den Fäusten. Er beginnt dort, wo anderen das Menschsein abgesprochen wird. Wo Verachtung zur Haltung wird und Einschüchterung zur Methode, wo aus einem »Du gehörst nicht hierher« irgendwann Gewalt wird. Eine Demokratie darf davor nicht höflich den Blick senken. Sie muss widersprechen. Klar, laut, ohne Wenn und Aber.
Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Ebenso gilt meine Solidarität den Menschen der LGBTQ-Community, die sich nach solchen Tagen fragen müssen, ob sie morgen wieder dieselbe Straße nehmen, die Hand eines geliebten Menschen halten oder ihre Identität offen zeigen können. Sie sollten sich diese Frage gar nicht erst stellen müssen. Denn eine freie Gesellschaft darf niemanden dazu zwingen, für seine Identität oder seine Liebe Mut aufbringen zu müssen.
Die eigentliche Bewährungsprobe einer offenen Gesellschaft zeigt sich nicht im Umgang mit der Mehrheit. Sie zeigt sich darin, wie entschlossen sie Menschen schützt, die von Fanatikern zu Feindbildern gemacht werden.
Die Regenbogenfarben sind nicht das Problem. Das Problem ist die Dunkelheit in den Köpfen derjenigen, die aus Hass anderen ihre Freiheit absprechen.