2011 habe ich für die Kehler Zeitung über das erste Rheingeflüster berichtet. Fünfzehn Jahre später stehe ich an diesem Samstagabend wieder am Altrhein. Vieles hat sich seitdem verändert. Das Rheingeflüster erstaunlich wenig – und das ist durchaus als Kompliment gemeint.

Die Menschen sitzen auf der Böschung und auf Holzbänken, stehen mit einem Glas in kleinen Gruppen zusammen oder ziehen langsam am Wasser entlang. Vor der Bühne wird Musik gemacht. Manche hören zu, andere reden, einige tanzen spontan. Man trifft alte Bekannte, verliert sich wieder aus den Augen. Einen Plan braucht an diesem Abend niemand.

Mit der Dunkelheit übernimmt das Licht. Bäume leuchten blau und grün, große gelbe Kugeln liegen im Gras, auf dem Wasser zittern ihre Spiegelbilder. Über der kleinen Bühne ragt der Turm der Friedenskirche in den Abendhimmel. Alles ist vertraut und sieht doch für ein paar Stunden anders aus.

Ein paar Schritte weiter fliegen bunte Lichtbälle durch die Dunkelheit. Ein Jongleur spielt mit ihnen, später mit Feuer. Kinder rücken nach vorne, Erwachsene bilden einen Halbkreis. Anderswo wird Theater gespielt: Edgar Allan Poes „Der Rabe“ findet seinen Weg nach Kehl. Dazwischen Musik, Gesprächsfetzen und dieses langsame Weiterziehen von einem Ort zum nächsten.

Auch der Weißtannenturm hat seine alltägliche Nüchternheit abgelegt. Rot, Blau, Türkis und Violett wandern über Treppen und Stahl. Tagsüber steigt man hinauf, um über Kehl zu schauen. An diesem Samstagabend schaut man auf ihn.

Das Rheingeflüster braucht kein großes Spektakel. Gerade darin liegt sein Charme. Seit seiner Premiere ist es zu einem kleinen, aber beliebten Treffpunkt geworden. Man hört etwas, sieht etwas, trifft jemanden. Und der Altrhein erledigt den Rest.

Irgendwann gehen die Lichter aus, die Spiegelungen verschwinden vom Wasser und der Weißtannenturm verliert seine Farben. Am Altrhein kehrt wieder Ruhe ein. Bis es in zwei Jahren erneut zu flüstern beginnt.

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