Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten, und der Jahresanfang ist bereits Geschichte. Das neue Jahr begann mit dem üblichen Getöse; geblieben ist davon wenig. Vorsätze, die man von Anfang an mit Skepsis betrachtete, und eine Weltlage, die sich weiter zuspitzt: Kriege, Krisen, Dauererregung – alles scheint gleichzeitig zu passieren, nur nicht dort, wo man noch Einfluss hätte.
Kehl dagegen macht weiter wie immer. Der Rhein fließt unbeirrt, der Marktplatz wirkt morgens leicht ratlos, und irgendwo wird über Dinge diskutiert, auf die man keinen Zugriff hat. Vielleicht ist genau das die Konstante.
Die Kehler Notizen sollen auch in diesem Jahr hier bleiben: bei den kleinen Beobachtungen, den beiläufigen Momenten, den Orten und Sätzen, die keine Welt erklären wollen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Trotz. Wenn draußen alles drängt, schreit und eskaliert, ist genaues Hinsehen fast schon eine Form des Widerstands.
Weniger Meinung, mehr Wahrnehmung. Weniger Aufregung, mehr Gangtempo. Texte, die nicht retten wollen, sondern festhalten, was noch da ist: ein Spaziergang, ein Gedanke, ein ganz normaler Vormittag in Kehl. Man mag darin einen Rückzug ins Überschaubare sehen. Doch wahre Verantwortung beginnt nicht im Lärm der Welt, sondern im Maß, das wir uns selbst auferlegen. Wer überall zugleich Stellung beziehen will, zerstreut seine Kraft. Wer aber seine Aufmerksamkeit sammelt, bewahrt die Fähigkeit, im entscheidenden Moment standzuhalten. Nicht das Weniger-Sehen ist das Problem, sondern das ziellose Sehen ohne innere Ordnung.
Also kein großer Plan für dieses Jahr. Aber in Zeiten, in denen alles permanent am Abgrund steht, ist es schon viel, nicht ständig hineinzustürzen.