Es regnet.

Am Rhein schlendert ein Paar unter einem Schirm entlang. Beide tragen Kopfhörer. Sie gehen dicht nebeneinander, ohne Eile. Der Blick geht nach vorn, auf den Weg, auf das Wasser. Sie sprechen nicht miteinander. Das wirkt nicht angespannt. Sie bleiben beieinander, Schritt für Schritt. Der Schirm hält den Regen ab. Sonst tut er nichts. Menschen kommen ihnen entgegen. Ein Fahrrad fährt vorbei. Stimmen sind zu hören, aber nicht deutlich. Das Paar reagiert nicht darauf. Die Kopfhörer begrenzen, was ankommt.

Kopfhörer gehören heute zum Straßenbild. Man sieht sie überall. Sie schaffen Abstand, ohne dass man sich entfernen muss. Man ist anwesend, aber nicht offen für alles. Ich benutze sie selbst. Bei längeren Wegen höre ich Musik. Meist John Coltrane, ruhige Stücke. Sie halten den Rhythmus, ohne Aufmerksamkeit zu verlangen. Mit dieser Musik verändert sich der Gang. Die Umgebung tritt zurück. Gedanken ordnen sich. Es entsteht eine eigene Zeit.

Das Paar geht weiter. Sie hören vermutlich Unterschiedliches. Trotzdem bleiben sie zusammen. Nähe zeigt sich hier nicht im Gespräch, sondern im gemeinsamen Weg.

Der Regen hält an. Der Fluss fließt. Der Tag geht weiter.

 

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