Zimt, Zucker und ein schiefes Lächeln reichen oft schon aus, um die Welt ein bisschen auszurichten. Und zum Nikolaustag darf man ruhig wieder zum Kind werden – am besten mit einem kleinen Backwerk mit Charakter und einer kleinen Geschichte.
Das besondere Lebkuchenmännchen
In einer Kehler Bäckerei lag ein Lebkuchenmännchen mit leicht verzogenem Grinsen und fehlendem Knopf. Ein echtes Männchen-mit-Charakter.
Die übrigen Lebkuchen standen streng und ordentlich da, fast wie gut gedrillte Pensionatsmädchen: kein Wackeln, kein Krümeln. Beim besonderen Männchen war jedoch etwas danebengegangen – der Bäcker hatte beim Verzieren niesen müssen. Das Ergebnis war unverkennbar.
„Wunderbar“, murmelte das Männchen. „Alle makellos – und ich bin die Sonderedition.“
Kurz darauf betrat der Nikolaus die Bäckerei, blieb bei dem ungewöhnlichen Ausdruck stehen – er mochte Dinge, die Geschichten erzählten – und steckte das Männchen ohne Umschweife in seinen Sack. Dort lag eine Nuss, die sich prompt wichtig machte: „Ich bin bio.“ Das Männchen entgegnete trocken: „Fein. Ich bin asymmetrisch.“
Ein kleines Backwerk und die große Erkenntnis
Im Schlitten über der Passerelle wurde alles kräftig durchgerüttelt, doch das Männchen nahm es gelassen – schließlich kommt man nicht jeden Tag zu einem Rundflug. Am nächsten Morgen fand ein Kind das kleine Backwerk im Stiefel. Es betrachtete neugierig das etwas verschobene Lächeln und biss vorsichtig hinein. Ein Krümel löste sich und landete weich.
„Du schmeckst anders“, sagte das Kind. „Und anders ist gut.“, fügte es fröhlich hinzu.
Und das besondere Lebkuchenmännchen kam zu dem Schluss, dass Perfektion letztendlich überschätzt wird – vor allem, wenn man sich mit Bio-Nüssen herumschlagen muss.